Michi testet Noise-Canceling Kopfhörer von Sony und Microsoft

Review: Microsoft Surface Headphones vs.
Sony WH-1000XM3

Wer viel unterwegs ist, oder in einem Grossraumbüro arbeitet kennt die Situation. Man möchte sich einfach mal abschotten – ohne lästige Umgebungsgeräusche oder mit Musik. Kopfhörer eignen sich dafür bestens. Idealerweise solche mit Noise Canceling Funktion. Bis jetzt hatte ich eher günstige Samsung Level Pro Kopfhörer. Diese waren mehr schlecht als recht – taten ihren Dienst aber.

Ausgangslage

Vor ungefähr zwei Jahren habe ich mir meine ersten reinen Bluetooth In-Ear Kopfhörer gekauft. Es handelte sich dabei um die Bragi The Dash Kopfhörer. Super Dinger. Mit integriertem Noise Canceling, eingebautem Speicherplatz für Musikdateien, wasserfest sowie Sensorfunktionen zum Aufzeichnen von Puls und Schrittzahl beim Sport. Die Bragi würde ich nicht mehr hergeben. Leider hat der Hersteller nun aber die Produktion eingestellt und so dürften diese die Letzten gewesen sein. Zudem vermute ich auch, dass In-Ear Kopfhörer per se nicht eine gleich gute Soundqualität hervorbringen können wie Over-Ear Modelle. Darum wollte ich die Gelegenheit nutzen und mal «richtige» Kopfhörer als Master of Gadgets testen.

Auswahl

Ausgewählt habe ich dabei die Sony WH-1000XM3 von welchen man nur Gutes hört. Einer meiner Twitter-Buddies schwört seit Jahren auf diese (sowie Vorgängermodelle). Andererseits bin ich ein grosser Freund von Microsoft Hardware – und über die neuen Surface Headphones habe ich ebenfalls viel Gutes gehört. Et voilà, Kandidatenkreis komplett: Sony WH-1000XM3 und Microsoft Surface Headphones

oben: Sony WH-1000XM3
unten: Microsoft Surface Headphones

Unboxing: Surface

Wenn ich rein die Verpackung und Erscheinungsbild der Kopfhörer bewerten würde, so wäre der Sieger sehr schnell klar. Die Surface Headphones haben eine richtige, schöne Verpackung – ein Hauch von «Premiumqualität» kommt auf. Auch die Box in welcher die Surface Headphones transportiert werden können, finde ich sehr gelungen, obwohl sie eher gross geraten ist. Die Kopfhörer selbst begeistern mich vom Erscheinungsbild her. Sehr schlicht und schön. Und sie sitzen auch sehr bequem. Irritiert bin ich jedoch von einem üblen Plastikgeruch. Dieser ist leider auch nach 3-4 Wochen in Gebrauch immer noch vorhanden. Ich bezweifle, dass dieser sich noch verzieht. Unabhängig davon – Microsoft in Apple Manier? Na, na, na. Das vielleicht nicht grad. Aber auch in Redmond haben sie scheinbar gelernt.

Unboxing: Sony

Wenn man die Verpackung der Sony daneben liegt, könnte man nicht draufkommen, dass es sich hierbei um die Premium-Linie handelt. Eher unscheinbar und in Sony-/Japan-Manier vollbepackt mit Nummern und irgendwelchen Zertifizierungslogos. Allein der Name «WH-1000MX3» ist schon Programm. Die Transportbox erscheint auf den ersten Blick ebenfalls als nichts besonders. Hier hätte Sony definitiv Potential nach oben. Auch die Kopfhörer selbst machen jetzt nicht unbedingt einen «Muss ich haben»-Eindruck. Sie schauen halt nach normalen Kopfhörern aus. Bequem sind sie aber allemal. Persönlich finde ich aber die Surface Kopfhörer noch einen Tick angenehmer zu Tragen. Aber wir reden von Nuancen. Und das ist bekanntlich auch eine sehr individuelle Sache.

Im Gegensatz zu den Surface Kopfhörer sind die Ohrmuscheln beim Sony Modell flexibel drehbar. Nicht wirklich klar komme ich (auch nach den 3-4 Wochen in Gebrauch!) mit der Box und dem Versorgen der Kopfhörer. Es bedingt eine ganz komische Verrenkung der Kopfhörer-Gelenke. Sony selber hat das glaube ich wohl auch bemerkt und so liegt eine gedruckte Anleitung in der Box drin, welche zeigt wie die Kopfhörer richtig reinkommen…

Was ist in der Schachtel?

Zum Standardumfang von beiden Kopfhörern gehört ein USB-C Ladekabel (bei Beiden ohne Stromadapter, dasjenige von Sony ist doch arg kurz – ca. 15 cm.) sowie ein normales Kopfhörer-Kabel für den analogen Anschluss. Spannend und eine positive Überraschung ist, dass beim Sony Modell ein Adapter für den Anschluss im Flugzeug dabei ist.

Inbetriebnahme

Nun aber los mit dem Test. Zuerst muss man natürlich die kabellose Verbindung einrichten. Für die Sony Dinger gibt es für iOS wie auch Android eine App. Die Verbindung kann problemlos mittels NFC hergestellt werden. Dies dauert zwar unverständlicherweise fast eine Minute. Aber danach war die Bluetooth-Kopplung erfolgreich.

Nicht so bei Microsoft. Eine App gibt’s – aber nur für Windows 10 und im Microsoft Store zu beziehen. Nach Recherche habe ich rausgefunden, dass es scheinbar in den US-Stores auch Apps für Android und iOS gibt. Aber diese sind bei uns nicht freigeschaltet. Come on, Microsoft!? Gut dann kopple ich halt per Bluetooth von Hand – das funktioniert auch im zweiten Anlauf. Aber ich stelle mir schon die Frage, wie jemand ohne Windows 10 Computer die Kopfhörer einrichtet – Stichwort Equalizer & Co.? Ich habe mir dann die Windows 10 App heruntergeladen. Aber ausser einem Equalizer mit ein paar Grundeinstellungen kann diese auch nicht mehr.

Die Sony App hingegen (habe iOS & Android getestet, Funktionsumfang ist derselbe) ist wirklich grossartig. Bei erster Kopplung werde ich zum Firmware Upgrade aufgefordert. Und dieses Upgrade hat es in sich – so kann man danach die Kopfhörer auch mit Amazon Alexa & Google Assistant nutzen. Doch dazu später mehr. Das Upgrade dauert eine Ewigkeit – fast eine Stunde. Keine Ahnung was da alles übertragen wird. Hauptsache es hat schlussendlich geklappt.

In der App kann man danach einstellen was man will. Verschiedene Soundmodi, eine Rauschunterdrückung-Optimierung durchlaufen (da kommen dann ganz komische elektronische Töne – zudem soll der Luftdruck gemessen werden?!), die Klangqualität bezogen auf Bluetooth sowie auch die Soundpositionierung wählen (z.B., dass der Sound kommt wie wenn man vor oder auf der Bühne steht). Zudem besteht natürlich auch die Möglichkeit, ein eigenes Equalizer-Profil zu erstellen. Super!

Zahlen & Fakten

EigenschaftSurface HeadphonesSony WH-1000XM3
Frequenzbereich4 Hz bis 40 KHz20 Hz bis 20 KHz
Laufzeit mit ANCbis 15 Stundenbis 30 Stunden
Anschlüsse3,5mm Klinke, USB (Strom), Bluetooth3,5mm Klinke, USB (Strom), Bluetooth, NFC

Klang & Nutzung

Im Voraus erwähnen möchte ich, dass ich ganz sicher kein Audio-Guru bin. Ich bin ein reiner Durchschnittsanwender, welcher gerne Musik und Videos damit hört. Audiophile mögen mir verzeihen! Gehört habe ich verschiedene Genres, von Rock und Heavy Metal über Trance bishin zu klassisch angehauchten Film Soundtracks.

Beide Kopfhörer können passiv betrieben werden. Will heissen, wenn der Akku leer ist, kann man die Kopfhörer mittels 3,5mm Klinkenkabel und ohne Noise-Canceling anschliessen und weiter Musik hören.

Surface

Die Surface Kopfhörer tönen für mich gut. Sehr neutral, aber auch mit ordentlich Wumms wenn mal Bässe dazukommen. Aber irgendwie nicht so richtig speziell. Irritierend finde ich, dass man ohne Musik und aktiviertem Noise Canceling ein lautes Rauschen hört. Damit würde ich nicht arbeiten wollen im Ohr. Musikhören ist darum fast Pflicht. Überzeugt hat mich die Nutzung als Headset fürs Telefonieren. Ich habe im Geschäft damit diverse Male telefoniert und die Sprachqualität war 1a (subjektiv besser als bei den Sony). Grosses Manko ist jedoch die Laufzeit. Nach rund 10-12 Stunden war Sense. Dies im Gegensatz zu den Sony Kopfhörern. Diese laufen sicher doppelt bis dreimal so lang.

Das Noise Canceling ist okay. Für meine Bedürfnisse reicht es. Ich bin abgeschottet und höre kaum etwas um mich rum. Gesteuert werden die Kopfhörer mittels Buttons und Drehrädern. Für die Lautstärke ist ein Drehrad perfekt. Das Ein-/Umschalten des Noise Canceling mit einem Drehrad finde ich aber nicht so geglückt. Der Form halber sei erwähnt, dass weder Google Assistant, Amazon Alexa noch Microsoft Cortana unterstützt werden.

Sony

Das erste Mal habe ich mich beinahe schon erschreckt. Absolute Stille. Auch kein Rauschen oder ähnliches, wenn keine Musik läuft. Das Noise Canceling ist wirklich beeindruckend. Auch erst recht im Vergleich zum Microsoft Modell.
Den Sound finde ich sehr attraktiv. Sehr feinfühlig und trotzdem können die Kopfhörer, wenn es sein muss sehr brettern. Mir gefällt das Klangbild des Sony Modells besser. Wenn ich beide vergleiche mit meinen Bragi In-Ear merke ich aber keine grossen Unterschiede. Fraglich ist nun, ob alle drei gleich gut sind oder ich einfach so ein Grobmotoriker bin und vorhandene Unterschiede nicht höre…

Gesteuert werden die Kopfhörer über ein Sensor-/Touchfeld an der rechten Ohrmuschel. Finde ich nicht sehr intuitiv gelöst und ich habe meine liebe Mühe damit. Die Sensoren reagieren eher träge und oft nicht wie gewollt. Das war bei meinen alten Samsung Dingern auch so. Es geht jedoch auch anders. Bei meinen Bragi In-Ear Kopfhörern funktioniert das tiptop. Im Netz findet man auch Kommentare, dass das Touchfeld bei Kälte nicht immer funktioniert. Das konnte ich (noch) nicht nachvollziehen – ist auch schwierig im Vorsommer. 😊

Wie bereits erwähnt, kann der Google Assistant oder Amazon Alexa genutzt werden. Mit kurzem Druck auf einen Button an der linken Ohrmuschel wird dabei eine Zusammenfassung der aktuellen Benachrichtigungen vorgelesen (zumindest bei Google Assistant). Mit Drücken & Halten kann man danach wie gewohnt mit dem Assistant sprechen und beispielsweise Musik auf Spotify wiedergeben. Das funktioniert wie ich mir das wünsche. Wenn man das mal genutzt hat, wird man es nicht mehr missen wollen.

Gesamtfazit

Grundsätzlich finde ich beide Kopfhörer aus einer Hardware-Perspektive gelungen. Ein völliges No-Go ist aber das Thema App bei den Microsoft Dingern. Persönlich finde ich es auch schade, dass nur die Sony Kopfhörer Google Assistant & Alexa unterstützen. Die Akkulaufzeit spricht auch eine deutliche Sprache. Da muss Microsoft nochmals hinter die Bücher. Mein Favorit sind daher klar die Sony WH-1000XM3. Als reine Headset-Kopfhörer fürs Office könnte ich mir die Surface Kopfhörer aber durchaus vorstellen – und etwas schicker sind sie auch.

Leichter Vorteil für die Sony WH-1000XM3

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Michi Maurer
Master of Gadget
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