Michi testet DJI Osmo Pocket

DJI Osmo Pocket Master of Gadget Review

Die Sommerferien kamen näher. Wer selbst (kleine) Kinder hat, wird regelmässig Fotos und Videos von diesen machen, um das Grosswerden auch gebührend festhalten. Oft schauen wir Eltern uns Bilder und Videos von früher an und merken dabei dann wie schnell die Kids gross werden. Als Master of Gadget ist es natürlich selbstverständlich, dass ich ein Arsenal an Geräten zum Festhalten dieser speziellen Momente habe.

Die wichtigsten dabei sind meine zwei Digitalkameras (Spiegelreflex-Kamera Sony a77 II und als «immer-dabei» die kompakte Sony RX-100 3) sowie meine GoPro 6. Vor ein paar Monaten bin ich dann auf die Osmo Pocket von DJI aufmerksam geworden. Spannend finde ich das Konzept einer mechanischen Bildstabilisierung mit einem Gimbal in Kombination mit der Kompaktheit der Kamera. Zudem hatte ich schon viele gute Erfahrungen – primär mit Drohnen – von DJI gemacht. Summa summarum – ein tolles Gadget für Tests in den Sommerferien.

Master Of Gadget

Unboxing

Die Kamera kommt super minimalistisch daher. Die Verpackung hat etwa die Grösse eines Handys mit doppelter Dicke. Auf den ersten Blick macht das jetzt nicht unbedingt den wertigsten Eindruck. Handkehrum macht es ökologisch wohl auch mehr Sinn nicht völlig überdimensionierte Verpackungen zu designen. Was jedoch schon sehr cool ist, ist wie die Kamera (übrigens auch in der Werbung) so illustriert ist als wäre es ein kleiner Roboter. Sieht aus wie der Doppelgänger von Wall-E. 😊

Der Inhalt besteht natürlich aus der Kamera selbst, Schutzhülle, USB-C Kabel sowie einem Anhängerband. Ebenfalls dazu gehören zwei Adapter mit USB-C sowie Lightning Anschluss. Meine erste Reaktion war mich zu fragen für was wohl diese Adapter sind. Des Rätsels Lösung: Sie werden genutzt, um die DJI Osmo Pocket mit einem Handy zu verbinden. Doof, wenn man nun ein Handy mit Micro-USB Anschluss hat.

Glücklicherweise besitze ich ein Huawei P20 Pro mit USB-C Anschluss. Kurze Recherche im Netz: Ist effektiv so. Wenn man nicht ein relativ neues Handy hat, schaut man in die Röhre. Auf der Packung steht von dieser Anforderung nichts. Es ist zwar möglich einen solchen Adapter für Micro-USB zu kaufen. Ist aber nicht ganz günstig und sehr ärgerlich, wenn man erst im Nachhinein davon erfährt.

DJI Osmo Pocket Inhalt

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme der Kamera geht fix. Die beilegende Schnellstartanleitung könnte man getrost auch weglassen. Erste Tätigkeit ist die zugehörige App «DJI Mimo» aus dem jeweiligen App-Store herunterzuladen und danach die Kamera mit dem Smartphone zu verbinden. Hier kommt aber der erste Schreckmoment. Das Handy soll horizontal nur über den Adapter mit der Kamera verbunden werden und dieser soll die Last tragen? Ob das wirklich hält?

Smartphone-Halterung

Ja, grundsätzlich hält es. Stabil ist jedoch anders. Die Idee ist aber, dass man mit der rechten die Kamera und mit der linken Hand das Handy hält und gleichzeitig dieses dann auch bedient. Macht wohl Sinn, ist aus meiner Sicht trotzdem nicht über alle Zweifel erhaben. Und ich bin damit ziemlich sicher nicht der Einzige mit dieser Auffassung. So gibt es im Internet diverse Anbieter von Zubehör, welche die Situation verbessern. Man braucht aber sowieso weiteres Zubehör, um die Kamera in vollem Umfang sinnvoll nutzen zu können. Dazu aber später mehr.

DJI Osmo Pocket Huawei P20 Pro

Bevor es losgehen kann

Die Verbindung mit meinem Android-Smartphone und der DJI Mimo App ging problemlos. Kamera wurde sofort erkannt und die Aktivierung wurde sogleich gestartet. Aktivierung? Ja, richtig gelesen. Ohne Aktivierung geht gar nichts. Die Aktivierung selbst ist dabei an ein Konto bei DJI gebunden. Scheint mir ein neuer Trend zu sein, dass jedes Gadget an ein Herstellerkonto gebunden werden muss und ohne diese Bindung kann das Gerät nicht genutzt werden. Finde ich daneben, aber was will man machen, wenn man soweit ist? Das Gerät deswegen zurückgeben? Voilà, und das wissen alle Hersteller. Erster Vorgang nach der Aktivierung ist das obligate Firmware-Upgrade. Aber das bringt wenigstens auch was. So ist mit dem neusten Update ein neuer Filmmodus «Hyperlapse» dazugekommen. Das Update war in Kürze erledigt (60 Sekunden) und danach war die Kamera einsatzbereit.

Klappe zu! Film ab!

So, nun ist die Kamera einsatzbereit. Aber was mach ich nun mit dieser und wie funktioniert diese? Eine sinnvolle gedruckte Anleitung war ja, wie erwähnt, nicht dabei. Hier hat DJI tolle Arbeit geleistet und in der App diverse Tutorial Videos aufgeführt, welche die einzelnen Videomodus und Funktionen erklären. Alle Videos sind sehr kurz (rund eine Minute), erklären dabei aber alles genügend. Vorbildlich!
Für die Nutzung der Kamera ist ein verbundenes Smartphone danach nicht mehr zwingend notwendig. So kann man (praktisch) alle Funktionen über die Kamera selbst einstellen. Die Kamera besitzt dabei ein LCD-Touchscreen und zwei Buttons. Ich habe die Kamera fast ausschliesslich ohne Smartphone genutzt und das hat problemlos funktioniert.

Die Kamera bietet verschiedene Modi («normale» Videos, Fotos, Zeitlupenvideos, drei verschiedene Timelapse Varianten sowie Panorama). Standardmässig wird der normale Videomodus gewählt, welcher in 4K aufzeichnet. Der Modus kann man einerseits in der DJI App wechseln, anderseits kann auch über einen Button an der Kamera direkt gewechselt werden. Die Aufzeichnung startet dabei bekanntermassen über einen «roten» Record-Button (physisch, wie auch App). Vieles erinnert mich in der Handhabung dabei an meine GoPro. Sei es über Modus Wahl mittels Buttons, sowie auch die Touchscreen Steuerung. Das finde ich dennoch sehr sinnvoll und das Bedienkonzept stimmt für mich optimal. Ebenfalls kann man die Funktionsweise des Gimbal steuern. So gibt es die Möglichkeit Objekte (welche man markiert hat) automatisch zu verfolgen, einen «FPV» Modus wo die Kamera quasi folgt was man selbst sieht und einen «Locked» Modus wo die Kamera respektiv der Gimbal sich möglichst ruhig verhält. Cool ist auch eine Flip-Funktion. Mit dreimaligem Drücken auf die Modus-Wechsel-Taste dreht sich die Kamera in einen Selfie-Modus und es wird automatisch das eigene Gesicht erkannt und getracked.

Der Akku der Kamera hält ca. 1 ½ – 2 Stunden. Dies hängt aber auch von der gewählten Nutzung ab. Aufgeladen wird der – nicht wechselbare – Akku über ein USB-C Anschluss unten an der Kamera

DJI Osmo Pocket - Full Scale

DJI Osmo Pocket - Hyperlapse

DJI Osmo Pocket - Zeitlupe

Die App

Die App habe ich, wie erwähnt, nicht gross beim Filmen genutzt. Primär habe ich sie genutzt, um die sehr guten Tutorial Videos sowie im Nachgang die eigenen Aufnahmen anzuschauen. Spannend dabei war, dass die 4K Videos bei mir auf dem Handy nicht wirklich ihre Wirkung entfalten konnten. Sie wirkten etwas matt und langweilig. Erst zu Hause am Desktop kam der Wow-Moment. Bei den Zeitlupenvideos hingegen war es genau umgekehrt: Auf dem Smartphone toll, am Desktop naja.

Die App bietet ebenfalls die Möglichkeit mittels Vorlagen Videos zu erstellen. Bedeutet, dass man eine Vorlage auswählt und dann über eine Art Assistenten das Video zusammenstellt. Man hat jedoch kaum Gestaltungsraum und jedes Video ist auch dankenswerterweise mit dem DJI Logo versehen. Ich habe diese Funktion nicht genutzt. Wer übrigens die DJI Drohnenapps kennt, wo automatisiert grossartige dynamische Videos aus Aufnahmen erstellt werden können, wird bei der Osmo Pocket etwas vermissen. Diese Funktion ist nämlich nicht an Bord. Schade.

Was ist cool?

  • Die Videoqualität der Kamera finde ich beeindruckend. Ich habe subjektiv das Gefühl – insbesondere bei 4K – sei diese besser als bei der GoPro 6. Könnte aber auch damit zusammenhängen, dass die Linse bei der GoPro ja ein extremes Weitwinkel hat, was die Osmo Pocket in dieser Form nicht hat.

  • Die mechanische Stabilisierung mit dem Gimbal sucht seinesgleichen und die Stabilisierung der Kamera über den Gimbal ist beeindruckend. Das habe ich so in dieser Form noch nie gesehen. Auch wenn man läuft, merkt man nur sehr wenig von der Bewegung selbst. Ist subjektiv aus meiner Sicht nicht vergleichbar mit meiner GoPro 6. Beim Demovideo sieht man das gut. Weder beim Ritt auf dem Dromedar (wo es gehörig schaukelte…), noch bei der Aufnahme der Wellenbrandung (wo der Wind mit gefühlt 100 km/h wehte) merkt man viel. Beim Gehen mit der Kamera bemerkt man kaum etwas.

  • Die Kamera ist einfach intuitiv. Schon nach kurzer Zeit habe ich sie beinahe blind bedient. Wer selbst filmt oder fotografiert, weiss wie wichtig so was ist. Wer schnell eine Aufnahme machen will/muss, hat keine Zeit sich um Einstellungen & Co. zu kümmern.

  • Die Kamera ist so klein und passt in jede Hosentasche. Klar eine GoPro auch, aber die hat nur eine digitale Bildstabilisierung.

  • Ich bin ein riesen Fan von den Spezialmodi. Insbesondere die Zeitlupen- und Hyperlapse-Funktion finde ich spitze. Teilweise habe ich die Kamera nur genutzt, um mit diesen Modi zu spielen.

Was ist uncool?

  • Die Kamera ist nicht wasserfest. Ein grosses Handicap. Wenn ich in die Nähe von Wasser ging habe ich dann doch wieder die GoPro hervorgekramt. Ohne dieses Manko hätte ich die GoPro nicht mehr angerührt. Mittlerweile bietet DJI ein Wassergehäuse an und dieses zu einem einigermassen vertretbaren Preis (ca. 80 CHF).

  • Die Kamera muss mit dem Smartphone über den Adapter oder USB-C Kabel verbunden werden. Eine Wireless Verbindung kann nur mittels Zubehörs erstellt werden. Enttäuschend. Bei Kameras von anderen Herstellern ist eine Wireless Verbindung bereits an Bord. Zudem scheint das Zubehör nicht über alle Zweifel erhaben zu sein (insbesondere auf Android), wenn man Reviews und Tests Glauben schenkt.

  • Nur mittels Zubehörs ist es möglich GoPro Accessoires oder normale Stative zu nutzen. Je nachdem was man mit der Kamera machen will, kommt man also nicht drum herum Zubehör zu kaufen. Schön ist, dass es bereits von Drittherstellern (bspw. PolarPro oder deinem bevorzugten China/Ebay-Hersteller) viel brauchbares Zubehör gibt. Ich habe mir beispielsweise günstig eine Hülle für den Anschluss an GoPro Accessoires besorgt. Dieses schützt gleichzeitig die Osmo (ohne dass ich das mitgelieferte Case brauche welches etwas umständlich ist) und führt dazu, dass die Kamera noch etwas besser in der Hand liegt.

  • Die Mikrofonqualität hat viel Luft nach oben. Respektive rein hardware-mässig darf man hier auch gar nicht allzu viel erwarten. Spielte für mich kaum eine Rolle (Ausnahme war die Aufnahme von «sprechenden» Delfinen), aber auch hier gibt es bereits Zubehör welche die Lücke schliessen können.

  • Im Gegensatz zu anderen Kompaktvideokameras (GoPro, Garmin, Sony) hat die DJI Osmo Pocket keinerlei Sensoren (GPS, Barometer, Geschwindigkeit) integriert. Eine Nachrüstung ist auch nicht möglich.

Fazit

Auch wenn die Liste der «not cool» Eigenschaften länger ist – ich liebe die DJI Osmo Pocket! Es macht richtig Spass mit der Kamera und die Qualität finde ich sensationell. Zudem hat sie auch einen gewissen «Jö»-Faktor. Der mechanische Gimbal ist in dieser Form noch nie dagewesen und macht die Kamera einzigartig.
Wäre die Kamera zusätzlich noch wasserfest hätte meine GoPro keine Daseinsberechtigung mehr. Schade ist, dass das volle Potential der Kamera erst durch Zubehör entfaltet werden kann. Durch die erwähnten Gründe hat die Kamera noch viel Luft nach oben.  Wie ich DJI aber aus dem Drohnengeschäft kenne, werden die meisten meiner als negativ aufgeführten Punkte in den nächsten Modellreihen eliminiert werden.

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Michi Maurer
Master of Gadget
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