Michi testet Logitech MX Vertical Maus

Ergo what?

Computermäuse haben ja etwa den gleichen Stellenwert wie Betten. Man benutzt sie sehr oft und lange, und trotzdem legt man in der Regel nicht grossen Wert darauf. Wenn man aber mal zusammenzählen würde, wie viele Stunden und Kilometer man pro Woche mit einer Maus bestreitet, würde man wohl ziemlich erschrecken. Höchste Zeit also, dass jemand mal einen seriösen Test von einer ergonomischen Computermaus macht.
Challenge accepted 😊.

Master of Gadget, die Zweite

Von STEG Electronics habe ich zwei Logitech Mäuse zugesendet erhalten. Einerseits ist das eine «stinknormale» Maus (Logitech Marathon Mouse M705) sowie die – ich zitiere – Evolution der Ergonomie, eine Logitech MX Vertical. Für mich gilt der Einleitungssatz in Bezug auf Eingabegeräte überhaupt nicht. Seit Jahren schwöre ich auf ergonomische Tastaturen (mein Favorit ist das Microsoft Natural Ergonomic Keyboard 4000) und einen Trackball (hier bin ich Anhänger der Trackbälle von Logitech und besitze mehrere MX Ergo). Zu Beginn bin ich skeptisch, ob ich mich wieder an eine Maus gewöhnen kann – aber schon mal vorweggenommen: Ja, das geht sehr gut!

Dass ich überhaupt ergonomische Geräte nutze, hat einen simplen Hintergrund. Sehnenscheidenentzündungen liegen wohl in der Familie. Und so hatte schon meine Mutter immer Probleme (auch ohne Computernutzung) und als ich mir dann mit knapp 25 Jahren ebenfalls das erste Mal eine Entzündung eingehandelt habe, suchte ich nach Alternativen. Seit ich ergonomische Geräte nutze, habe ich dabei kaum noch Probleme.

Logitech-MX-Vertical
Logitech MX Vertical

Unboxing

Man sieht es schon den Verpackungen an, welche der zwei Geräte das Premium Modell darstellt. Die Marathon Mouse kommt in einer Schweiss-Verpackung. Sobald ich Schweiss-Verpackungen sehe – bekomme ich Schweiss-Anfälle. Aus meiner Sicht die dümmste Art ein Produkt zu verpacken. Verletzungsgefahr ist latent vorhanden.

Nach dem Auspacken der MX Vertical habe ich den ersten Aha-Moment. Wow, ist das Ding leicht. Zuerst dachte ich noch, dass da wohl die Batterien noch fehlen. Nichts da; die Maus hat einen integrierten Akku, welcher nach einer vollen Ladung 3 Monate halten soll und über USB-C geladen werden kann. (Nach 2-wöchiger Nutzung denke ich, dass die 3 Monate sehr realistisch sind). Ich frage ich mich nun ob sie allenfalls zu leicht ist im täglichen Rumschubsen?

MX Vertical
MX Vertical

MX Vertical

Auch die Verarbeitung ist top. Ich kenne das Gefühl von ergonomischen Geräten ja und so fühlt sich die MX Vertical sofort sehr angenehm in der Hand liegend an. Logitech preist das Ding ja auch damit an, dass für das Design der Maus unzählige Studien und Tests gemacht wurden. Resultat ist eine Neigung von 57°. Diese soll für 10% weniger Muskelbelastung und eine 4fache Reduzierung der Handbewegung sorgen. Das glaube ich Logitech sogar aufs Wort! Auch die Grösse passt für mich perfekt. Meine Hand würde ich dabei als «normal» gross beschreiben. Die Marathon Mouse ist mir dagegen zu klein.

Die MX Vertical besitzt die übliche Ausstattung einer «modernen» Maus. Bedeutet linke, rechte Maustaste, Drehrad (mit Druckmöglichkeit), zwei Tasten an der «Innenseite» (standardmässig für «zurück» und «nach vorne») sowie eine Taste auf der obersten Fläche (standardmässig zum Wechsel der Mausgeschwindigkeit). An der Unterseite gibt es noch einen Button zum Wechseln des verbundenen Geräts – die MX Vertical kann mit 3 Geräten gepaired werden.

MX Vertical Buttons

Inbetriebnahme

Logitech liefert für beide Geräte ihren bekannten, proprietären Logitech Unifying-Empfänger mit. Im Gegensatz zur Marathon Mouse lässt sich die MX Vertical aber zusätzlich auch über Bluetooth verbinden. Die Unifying Empfänger sind ja eine grossartige Sache, wenn die Einrichtung sehr einfach und unkompliziert vonstattengehen soll. Persönlich jedoch habe ich die Dinger von meinen Computern verbannt, da sie insbesondere bei modernen Laptops die ohnehin raren USB Ports blockieren. Die Einrichtung über Bluetooth hat bei mir unter Windows 10 problemlos funktioniert – ganz ohne Herunterladen einer Treibersoftware oder ähnlichem.

Software Bombe in doppelter Hinsicht

Logitech ist auch bekannt dafür, dass man ihre Eingabegeräte bis zum Exzess (und auch ein bisschen darüber hinaus) konfigurieren kann. Darum habe ich mir dann doch die zugehörige «Logitech Options» Software direkt von der Herstellerseite runtergeladen. Und zuerst mal gestaunt – sagenhafte 150 MB ist der Download gross. Okay, machen wir halt. Dann – nach der problemlosen Installation – der zweite «Staun-Moment».

Für die Inbetriebnahme der Treibersoftware wird ein Cloud Konto bei Logitech benötigt. Was zur..? Ist ja schön und gut, dass alle heute ein Cloud Konto anbieten – aber für eine Maus. Come on! Wie auch immer – ich habe per Zufall ein Logitech Cloud Konto von meiner Harmony Fernbedienung (wo es hingegen sehr viel Sinn macht) und die Software so laufbereit gemacht. Wie erwähnt kann die Maus aber natürlich auch ohne die Zusatzsoftware betrieben werden (sofern man sie über Bluetooth verbindet; für die Unifying Empfänger braucht man sie aber zwingend). Ohne Software können natürlich keine persönlichen Einstellungen vorgenommen werden.

Jede MX Vertical ist individuell

Auch wenn die Software-Einrichtung etwas komisch anmutet. Der Nutzen der Software ist unbestritten, wenn man die Maus an persönliche Vorlieben anpassen möchte. Man kann wirklich alle und jede Taste konfigurieren wie man will. Mein persönliches Highlight ist die Möglichkeit, die «Gestensteuerung» zu aktivieren. Mit dieser hat man die Möglichkeit, nach Drücken/Halten einer Taste die Maus in eine Richtung zu bewegen und damit eine Aktion auszulösen. So habe ich beispielsweise konfiguriert, dass ich mit Halten der «vorwärts»-Taste und «nach oben» bewegen automatisch das aktuelle Fenster auf Vollbild maximiert wird. Man kann sich wirklich austoben. Praktisch alles was man sich einfallen lässt, kann auch umgesetzt werden.

Toll ist beispielsweise auch die Möglichkeit, virtuelle Desktops durch Mausbewegung zu wechseln. Ebenfalls möglich ist, dass man die Einstellungen anwendungsabhängig macht. D.h. bei Photoshop kommt diese Kombination zum Zug, und bei Word/Excel eine andere. Und wer es so richtig nerdig will, legt auf eine Taste den Aufruf von Cortana, dem Microsoft Pendant von Amazon Alexa. Warum man das machen soll? Keine Ahnung, aber lustig ist es…😉

Daneben bietet die Software zudem eine Möglichkeit, die Geschwindigkeit des Mauscursors per Tastendruck zu wechseln. Die beiden Geschwindigkeiten lassen sich dabei individuell einstellen. So kann man für ein Game ein schnelles Tempo definieren, wenn man hingegen in einem Bildbearbeitungsprogramm pixelgenau arbeiten muss ist eher eine langsame Geschwindigkeit sinnvoll.

Ist so eine ergonomische Maus nun was für mich?

Die Meinungen über ergonomische Geräte gehen weit auseinander. Teilweise nehme ich es schon fast als Glaubenskrieg im kleinen Stil wahr. Bei einem Kurztest von Frau und Arbeitskollegen sah das nicht anders aus. Von «so was kommt mir nicht unter die Hand», über «Boa – das geht ja gar nicht» bis zu «nie mehr geb ich mich mit einer normalen Maus ab» ist wohl alles drin. Fakt ist: im Laufe meiner «Gadget-Berater-Laufbahn» habe ich diverse Leute in meinem Umfeld zu einem ergonomischen Gerät motivieren können. Und niemand würde den Wechsel mehr missen wollen.

Eine Sache der Gewohnheit

Die ersten paar Tage ist es in der Tat sehr ungewohnt und es braucht durchaus etwas Durchhaltewillen. Danach kann man es sich aber kaum mehr vorstellen, mit so etwas Unangenehmen wie einer «normalen» Maus oder Tastatur zu arbeiten. Erst dann bemerkt man wie man mit gewöhnlichen Mäusen und Tastaturen zu unnatürlichen Verrenkungen und Belastungen gezwungen wird. Zudem hat es noch einen anderen Vorteil – niemand kann einfach so mal schnell neben einem am Computer stehen und sagen «komm ich zeig dir schnell wie es geht». Der leiseste Versuch, die Maus zu übernehmen wird scheitern, weil es für viele so ungewohnt ist. 😈

Auch meine anfänglichen Vorbehalte, ob die Maus eventuell zu leicht ist, entkräften sich schon nach kurzer Zeit. Das Gewicht ist genau richtig. Sie lässt sich super-smooth herumschubsen und es braucht kaum Kraft. Trotzdem erzeugt sie genügend «Grip», dass es nicht unangenehm wirkt. Der einzige Nachteil, welchen ich im Vergleich zu meinem Trackball sehe, ist, dass so eine Maus halt «Platz» braucht. Beim Trackball bewegt man ja nur einen Ball auf der Maus und darum kann man diesen auch auf dem Sofa einfach in die Hand nehmen.

Fazit

Meine Meinung ist eindeutig. Wer seinem (digitalen) Leben etwas Gutes und Nachhaltiges tun will, sollte sich ergonomische Eingabegeräte zulegen. Wer dabei nicht gleich zu einem Trackball schreiten will (wo die Umgewöhnung doch noch etwas mehr Zeit braucht), findet in der Logitech MX Vertical die perfekte Maus. Ich wüsste nicht, was man besser machen könnte – mal abgesehen vom Cloudzwang und dem überdimensionierten Download der Software.

Klare Empfehlung für die MX Vertical!

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Michi Maurer
Master of Gadget
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