Mein Smart Home – Master of Gadgets Michi erzählt…

Mein Smart Home

Master of Gadgets Michi erzählt aus dem Kabelkästchen
Master of Gadget Michi

Wie alles begann

An mein erstes smartes Device kann ich mich noch bestens erinnern. Mitte 2014 hat Amazon erstmals ein Spracherkennungsgerät namens Amazon Echo (mit integrierter «Alexa») vorgestellt. Ich war fasziniert und schnell war für mich klar, dass ich so ein Ding unbedingt haben musste. Zu Anfang war man in Europa und insbesondere in der Schweiz aber noch chancenlos. Erst mit der Vorstellung des Amazon Dot im März 2016 und der Ausweitung auf Grossbritannien im folgenden Herbst hat es sich dann ergeben. Kurz vor einem Trip nach London habe ich mir einen Echo Dot online bei Amazon UK bestellt und diesen an ein lokales Post Office ausliefern lassen. Noch im Hotelzimmer habe ich den Echo Dot in Betrieb genommen (zum Leidwesen meiner Frau) und meine erste Sprachanweisung gegeben. Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich nach dem Wetter gefragt und das auch noch auf Englisch (weil zu Beginn nur dies überhaupt unterstützt wurde). Meine Begeisterung kannte keine Grenzen und als Informatiker/Software Entwickler war mir sofort klar, was sich damit alles (irgendwann) realisieren lässt.

Nach kurzer Zeit mit Amazon Alexa kam dann aber auch die Ernüchterung. Irgendwann hat Amazon bewusst in Ländern, in denen keine offizielle Unterstützung vorhanden war, Limitationen aktiviert. So konnte ich meinen Echo Dot anfangs noch problemlos mit einem Schweizer Spotify Konto verbinden. Von einem Tag auf den anderen wurde das jedoch deaktiviert. Ich finde Amazon grundsätzlich grossartig. Ich liebe ihr Kindle E-Reader-Ökosystem und auch sonst macht Amazon in meinen Augen viel richtig. Aber das war so richtig für die Pfanne. Auch die Versuche mit einem total hilflosen Amazon Support hat bei mir verbrannte Erde hinterlassen. Dass dann bewusst auch die Apps gesperrt wurden und z.B. die Hinterlegung einer Schweizer Adresse (z.B. für Wetterabfragen) nicht mehr möglich war (respektive nur mit mühsamen URL-Hacks), verstehe ich bis heute noch immer nicht.

Fast zeitgleich mit der Veröffentlichung der Alexa Geräte in Grossbritannien hat Google sein Konkurrenzprodukt «Google Home» vorgestellt. Dieses war daraufhin auch sehr zeitnah in Deutschland erhältlich. Und so habe ich mir schon bald meinen ersten Google Home Mini aus Deutschland importiert. Im Gegensatz zu Amazon gab es mit den Google Geräten nie Probleme und so hat sich bei uns in der Familie Google Home schnell durchgesetzt. Ein Sprachassistent, welcher kein Spotify unterstützt, bringt halt einfach kaum was.

Heutiger Fuhrpark

Seit damals hat sich mein Arsenal an «smarten» Geräten stetig erweitert und umfasst heute ein breites Spektrum. Von Lampen (Philipps Hue respektive IKEA Tradfri) über diverse Lautsprecher (mit Chromecast) bis hin zu Geräten, welche sich über den Dienst IFTTT ins Google Ökosystem integrieren lassen (Arlo Überwachungscams, Withings Smart Sleep Matte). Neben dem Google Mini habe ich heute noch einen Google Home/Nest Hub sowie die Smart Clock von Lenovo (siehe Testbericht). Auch nutze ich den Google Assistant in meinem Auto (über Android Auto) sowie auf dem Smartphone.

Google Nest Hub DE/AT/CH - weiss

CHF 110.–

Philips Hue White und Color Ambiance Starter-Kit, inkl. Bridge, GU10

CHF 162.90

Arlo Ultra, 2 Kameras

CHF 829.90

Lenovo Smart Clock mit Google Assistant - grau

CHF 109.90

Google Chromecast 3 (DE-Version)

CHF 54.90

Google Home Mini - weiss/grau

CHF 50.–

Viele Leute verstehen unter Google Home ja einfach den Sprachassistenten. Aber das ist nur die halbe Wahrheit. Mittels Google Home ist es möglich, viele verschiedene Geräte in einem Verbund zu organisieren und digital zu steuern. Dafür kann man die Sprachassistenten nutzen, muss man aber nicht. So ist es möglich, all diese Geräte auch über die Google Home App klassisch (mittels Touch) zu steuern – ohne auch nur einmal etwas mit der Sprache zu steuern.

Viele Leute sagen mir immer wieder, dass sie das nicht brauchen. Sie hätten ja die einzelnen Apps von Hue, Sonos & Co. Das stimmt absolut. Und es gibt auch gewisse Situationen, in denen diese Apps Vorteile bieten. So sind beispielsweise in der Philips Hue App viele Einstellungen möglich, welche Google (noch?) gar nicht unterstützt. Trotzdem sehe ich den grossen Mehrwert des Google Home System darin, dass alle Geräte unter einer Oberfläche und einem Sprachassistenten bedient werden können. Das macht die Bedienung im Endeffekt einfacher und schneller.

Hey.., wer nochmal?

Oft werde ich auch gefragt, ob ich eine Präferenz bezüglich Amazon Alexa und Google Home habe. Diese Frage kann ich eindeutig beantworten. In punkto Spracherkennung, Qualität und Zuverlässigkeit ist meines Erachtens das Google Home System meilenweit voraus. Amazon hat zwar wie Google eine breite Unterstützung von Herstellern und Geräten, aber bei mir haben viele Dinge immer wieder nicht (mehr) funktioniert oder wurden durch fragwürdige Aktionen unterlaufen. Beispielsweise hatte ich eine Logitech Harmony Fernbedienung, welche sich anfangs wunderbar bei Amazon einbinden liess («Hey Google, schalt den TV ein 😊»). Aber auch hier war von einem Tag auf den anderen der Skill (so heissen die «Apps» für die Sprachassistenten bei Amazon) nicht mehr verfügbar. Aus dem Angelsächsischen Raum hört man oft, dass sich die beiden Systeme nicht gross unterscheiden und Amazon auf Augenhöhe ist. Für den deutschsprachigen Raum – insbesondere noch mit Fokus Schweiz – kann ich das überhaupt nicht unterschreiben und darum empfehle ich auch allen Personen in meinem Umfeld die Google Geräte. Mittlerweile ist es auch so, dass vor allem die Google Geräte sogar ganz passabel Schweizerdeutsch verstehen.

Anwendung im Alltag

Für was brauchen wir denn nun all die smarten Geräte? Machen Sie uns das Leben als Familie einfacher? Natürlich könnten wir problemlos auch ohne all die smarten Geräte leben. Trotzdem gibt es viele Situationen, in denen sie uns das Leben angenehmer gestalten. Ein paar Beispiele:

  • Radiosender und Musik bedienen wir fast ausschliesslich über die Spracherkennung. Auch unsere Kinder lieben es und können nur so überhaupt Musik auswählen (da sie kein eigenes Smartphone haben). Das hat allerdings nicht immer nur Vorteile – v.a. wenn die Kinderstimme zum gefühlten hundertsten Mal «null-siebe-nüün» von Lo & Leduc auswählt. Aber gerade zum Kochen erweist sich die Spracherkennung als sehr nützlich, da man z.B. nicht mit dreckigen Fingern das Display bedienen muss.

  • Wir haben uns mittlerweile angewöhnt, bevor wir das Haus verlassen noch kurz Google Home nach dem Wetter und der aktuellen Temperatur zu fragen. Klar, auch das könnte man mittels Smartphones machen. Aber es ist schon viel angenehmer, während man am Schuhe binden ist, noch kurz ein «Hey Google, wie warm ist es?» zu fragen.

  • Auch die Lichtsteuerung machen wir oft über Google Home. Vor allem beim ins Bett gehen oder vor Verlassen des Hauses («Hey Google, schalte alle Lichter aus») ist das schon sehr angenehm. Trotzdem haben wir noch diverse Philips Hue Schalter und Sensoren, welche als «Hardware» dienen. Auch ist es durch die smarten Funktionen möglich, Lichter gemeinsam zu steuern. So haben wir auf einem Schalter alle Lichter des Hauses hinterlegt und können diese mittels Druck auf einen Schlag ausschalten.

  • Unsere Einkaufslisten führen wir schon seit längerem digital. Wir brauchen dafür die Schweizer «Bring!» App (die möchte ich an dieser Stelle unbedingt empfehlen. Die Leute von «Bring!» machen einen tollen Job!). «Bring!» kann man einerseits über Apps bedienen, anderseits ist es auch möglich, Dinge über den Google Assistant auf die Einkaufsliste zu setzen («Füge Zahnpasta zur Einkaufsliste hinzu»)

  • Unsere Kinder lieben Google Home und Alexa. Einerseits lassen sie keine Gelegenheit aus, um nach Kinderwitzen zu fragen (wer ein Google Home besitzt, sollte das mal ausprobieren… 😊), anderseits nutzen sie die Speaker aber auch, um sinnvolle Fragen zu stellen («Wie tönt eine Fledermaus»). Ja, und die Sprachassistenten können oft auch Antworten uf Fragen geben, bei denen wir Eltern überfragt sind….

  • Wir leben in einem Haus mit drei Etagen. Wenn Frau zuoberst im Bad ist und Mann im Erdgeschoss, so ist eine Kommunikation zwar möglich, aber mühsam (*lautes Rufen* «HEEYYYY, KOMMST DU BALD RUNTER»). Mit den beiden Google Home Geräten, welche wir haben, ist es einfach möglich, eine Sprachnachricht zu senden («Hey Google, Nachricht an Obergeschoss»), und danach die nette Nachricht in sympathischer und doch bestimmter Art und Weise durchzugeben. 😉

  • Last but not least: das momentane Sahnehäubchen meiner “Smartifizierung»: Ich besitze eine Schlafüberwachungsmatte von Withings. Diese bietet die Funktion, dass sie erkennt, wenn ich aufwache und diese Info dann an andere Dienste weitergibt. Mittels Kombination dieser Funktion, IFTTT und Philips Hue, konnte ich einrichten, dass automatisch im Erdgeschoss (wo ich frühstücke und digitale Zeitung lese) das Licht angeht, sobald ich aufstehe. Braucht’s das nun zwingend für ein erfülltes Leben? Nö, aber einem Master of Gadget macht es Spass! 😊

Nachteile

Alles was Vorteile hat, hat natürlich auch Nachteile. So sind wir uns bewusst, dass Google und Amazon eine Menge Daten über uns sammeln. Und es gibt Situationen, in denen wir die Geräte – insbesondere Mikrofone – aktiv deaktivieren. Ich verstehe Menschen, welche sich diesem «Tracking» nicht aussetzen wollen. Aber gerade, weil ich die technischen Hintergründe verstehe, ist der «Sprung» zur Nutzung eines Sprachassistenten in Kombination mit smarten Geräten, nicht mehr «match-entscheidend». Wenn man sich der Sammelwut dieser Online-Giganten entziehen will, so müsste man konsequent auch auf Smartphones und Computer verzichten. Aber ich denke, es gibt hier kein richtig oder falsch. Das muss jeder für sich selbst beantworten.

Wünsche

Ist denn nun mein digitales, smartes Utopia schon eingetroffen? Nein, bei weitem nicht. Auch wenn die Spracherkennung von Google schon eine Qualität besitzt, welche vor ein paar Jahren noch undenkbar war, so gibt es doch viele Situationen, in denen man das Ding ins Pfefferland senden will. Da nimmt man dann unweigerlich doch wieder das Smartphone (mit all den Apps) hervor. Eines meiner nächsten Ziele ist es darum, eine Art «Home Zentrale» einzurichten. Bedeutet, dass alle Geräte über ein (oder allenfalls auch mehrere) Touchdisplay gesteuert werden können. Es gibt dabei Ansätze (z.B. Zipato ZipaTile), Bastel-Lösungen (oder nennen wir sie freundlich hochflexible Lösungen, bspw. OpenHAB) oder sauteure Lösungen, für die ein Profi gebraucht wird (KNX). Die Google Home Hub Geräte wären aus meiner Sicht prädestiniert für so eine Steuerung, aber Stand Heute ist die Geräteunterstützung über die grafische Oberfläche noch sehr beschränkt (eigentlich werden nur Lampen unterstützt).
Auch habe ich das Gefühl, dass bisher noch viele Hersteller ihr eigenes Süppchen kochen. So unterstützen zwar viele Geräte beispielsweise offiziell den «Zigbee»-Standard, doch in der Realität funktioniert das meist nicht immer so zuverlässig. Das haben wohl nun aber die grossen Hersteller verstanden und darum im Dezember angekündet, einen offenen, herstellerübergreifenden und funktionierenden Standard für Smart Home Geräte zu etablieren

Unterm Strich

Brauche ich nun für mich auch ein smartes Home? Diese Frage kann nur jeder für sich selbst beantworten. Für mich ist klar, dass ich viele Dinge nicht mehr missen möchte. Trotzdem wäre ein Leben ohne die smarten Geräte auch noch möglich (was ich wohl über das Smartphone mittlerweile schlecht behaupten könnte). Mit dem Lauf der Zeit wird es aber immer mehr so sein, dass viele Geräte des täglichen Gebrauchs sowieso «smart» daherkommen. Und ich sehe es so ein bisschen wie mit dem Geschirrspüler. Natürlich könnte man auch ohne diesen leben, aber wenn man mal einen gehabt hat, findet man es nur begrenzt witzig und sinnvoll, wieder ohne einen zu leben 😊.

STEG_Schaffhausen_BenjaminBischof_frontal

Benjamin Bischof

Content Manager

© 2020 STEG Electronics AG

Log in with your credentials

Forgot your details?