Mobile World Congress 2019

Mobile World Congress 2019

Nach der CES ist vor dem MWC. Wie jedes Jahr treffen sich auch diese Tage wieder anerkannte Branchengrössen und innovative Start-Ups auf dem Mobile World Congress in Barcelona. Wie bereits an der Consumer Electronics Show in Las Vegas (STEG berichtete) sind auch auf dem alten Kontinent neue Display Konzepte und 5G in aller Munde. Wir schauen genauer hin.

Noch im ersten Halbjahr 2019 erhältlich

Erste MicroSD Speicherkarten mit 1 TB
Foto und Multimedia Enthusiasten aufgepasst: Gleich zwei Hersteller präsentieren MicroSD-Karten mit einem Terabyte Kapazität. Während Microns C200 massenkompatibel ist, arbeitet SanDisks Extreme genannte Karte mit einem proprietären Protokoll, welches bisher nur mit SanDisks Card Reader Mobilemate funktioniert. Dafür ist sie aber «die schnellste 1 TB SD Karte». Microns Karte soll im zweiten Quartal in den Handel kommen, SanDisk startet im April. Der Preis dürfte etwas über dem Doppelten einer 512 GB Karte liegen.

MicroSD Express

Gerade wurden neue Spezifikationen für MicroSD Karten verabschiedet: So kommt das von SSDs bekannte NVMe Protokoll auf die MicroSD Karten und ermöglich deutlich schnellere Datentransfers. Natürlich muss die Karte, wie auch das Lese- resp. Schreibgerät den neuen Standard unterstützen.

Nokia 9 mit fünf Kameras

HMD Global platziert gleich 5 Kameras auf der Smartphone Rückseite, womit wir bei 60 Megapixel an Informationen wären. Jede Kamera schiesst ein 12 MP Foto, eine KI fügt die Informationen zusammen. Fotos können im RAW-Format abgespeichert werden, aufgrund der Datenmenge kann dies aber durchaus einige Sekunden in Anspruch nehmen.
Wie immer bei Nokia kommt das Modell 9 mit Android One. HMD verzichtet also löblicherweise auf das draufklatschen eigener Software und übernimmt Googles nacktes Android. Dies hat den zusätzlichen Vorteil, dass es zwei Jahre Update Garantie gibt auf die jeweils neuste Android Version sowie ca. einmal im Monat ein Google Sicherheitspatch ausgeliefert wird.

Erhältlich ab März 2019, Kostenpunkt ca. 700-750 Franken (649 Euro) und nichts für Menschen mit Trypophobie.

Sony Xperia 1 mit 4K HDR OLED Display

Auch Sony lässt die Muskeln spielen und bringt das Kinoformat 21:9 aufs Handy. Das 3840 x 1644 Pixel umfassende OLED-Display unterstützt High Dynamic Range (HDR) und misst 6,5 Zoll in der Diagonale. Unter anderem Netflix und Fortnite sicherten die Unterstützung des neuen Bildschirmformats ab Verkaufsstart zu.
High End trifft auch auf die inneren Werte des Xperia 1 zu: Der neuste Qualcomm Snapdragon 855 Prozessor ist verbaut, welcher in Kombination mit 6 GB Arbeitsspeicher und 128 GB Flash Speicher für ordentlich Power sorgen dürfte. Sony greift für die Bildschirme auf die Kompetenz der eigenen TV-Sparte zurück.

Erhältlich ab Juni 2019. Kostenpunkt ca. 1’000 bis 1’100 Franken (949 Euro)

Samsung A50 mit Triple Kamera und KI

Obschon Samsung kurz vor der MWC ihr eigenes Launch-Event abgehalten hat, fehlen die Südkoreaner natürlich nicht in Barcelona. Mit dem A50 bringt Samsung ein Mittelklasse Smartphone mit grossem 4.000 mAh Akku, der in gerade mal 90 Minuten wieder vollständig aufgeladen werden können soll. Die integrierte künstliche Intelligenz kombiniert die drei Einzelbilder der Kamera zu einem, optimierten Bild. Wie immer bei Samsung ist das Display hervorragend: 1080 x 2340 Pixel Super-AMOLED Bildschirm mit 6,4 Zoll Diagonale.

Erhältlich ab April. Preis unbekannt, ist aber als Mittelklasse-Produkt vorgestellt worden.

LG bringt Handy mit Venenscan / LG G8 ThinQ

Nach PIN, Muster, Fingerabdruck und Gesicht kommen jetzt also die Venen im Handgelenk als Authentifizierung zum Zug. Mittels Infrarotsensoren und einer Tiefenmessung wird ein dreidimensionales Abbild des Handgelenks erstellt. Zur Entsperrung hält man das Handgelenk rund 15 cm über die Notch. Natürlich werden alle anderen, eingangs erwähnten Methoden ebenfalls unterstützt.
Weitere Innovation: Der Sound kommt direkt aus dem Display. Crystal Sound OLED (CSO) heisst die dies möglichmachende Technologie. Hört sich gut an, bisher aber nur Mono-Sound möglich. Für Stereoklang wird auf einen zweiten, normalen Lautsprecher zurückgegriffen.

Ob und wann Smartphones der LG G-Serie in Europa erhältlich sind, ist noch nicht bekannt.

Klapphandy Returns

Huawei stielt Samsung die Show. Die Koreaner kamen den Chinesen zwar mit der ersten Vorstellung eines faltbaren Smartphones zuvor, doch Huaweis Gerät wirkt deutlich ausgereifter als das eher prototyp-mässig anmutende Galaxy Fold.
Auch sonst ist alles drin: 5G Chip, grosser 43XY Akku und ein quadratischer 8 Zoll Bildschirm mit 2480 x 2200 Pixel. Aus eins mach zwei: Das besagte Display lässt sich vertikal nach hinten falten und so in einen 6,6 Zoll Bildschirm auf der Vorder- und einen 6,38 Zoll Display auf der Rückseite verwandeln. Ganz klar eine Innovation und das Highlight der diesjährigen MWC, aber was soll das bringen? Techradar.com listet «5 reasons you need a foldable smartphone» (5 Gründe, weshalb Sie ein faltbares Smartphone brauchen):

    • Grund 1: Es ist ein ultra-portables, faltbares Tablet. Das mag sein, für ein Tablet zwar doch eher klein und mit über 2000 Franken viel zu teuer um nur ein Tablet zu sein, welches in die Hosentasche passt.
    • Grund 2: Multitasking auf dem Smartphone macht endlich Sinn. Tatsächlich lässt sich auf einem grösseren Bildschirm besser in verschiedenen Apps arbeiten. Mit Android 8 haben wir allerdings alle schon App-in-App auf unseren Smartphones und wenn man wirklich effizient multitasken will, sitzt man vor den PC oder nimmt das Notebook zur Hand. Oder wie sehen Sie das?
    • Grund 3: Man kann sich gegenübersitzend einen Film schauen. Ernsthaft? Wer macht so etwas? Und wer hält das Handy? Und wieso nimmt die zweite Person nicht einfach ihr eigenes? Weiteres Anwendungsbeispiel: Schiffe-Versenken spielen. Für 2000 Stutz.
    • Grund 4: Das Handy braucht nur eine Kamera. Klar man sieht sich jetzt auf dem Display, wenn man ein Selfie macht. Das ist aber bei jedem anderen Smartphone auch so.
    • Grund 5: Ihr aktuelles Handy ist nicht so cool. Es scheint keine weiteren Gründe mehr zu geben.

Zugegeben: Es ist interessant zu sehen, was mittlerweile möglich geworden ist. Technisch ist es zweifelsfrei eine Meisterleistung (Huawei selbst entwickelt jedoch keine Displays). Meiner Meinung nach sind solche Konzepte aber eher dem Innovationsdruck als einem echten Kundenbedürfnis oder Nutzen geschuldet, wobei sich in anderen Anwendungsbereichen durchaus interessante Möglichkeiten eröffnen dürfte. Um 90 Grad gedreht sieht die Welt ganz anders aus: Liesse sich das Display horizontal verkleinern, liesse sich beispielsweise Platz und Akku sparen. Wie oft holt man das Handy aus der Tasche, macht das (grosse) Display an, nur um kurz auf die Uhr zu schauen oder um auf das nächste Lied zu springen?
Motorola hat eine Neuauflage ihres damals extrem beliebten Klapphandys Razr V4 angekündigt, welches wohl ebendieses Konzept verfolgen wird. Auch Apple hat entsprechende Patenanträge eingereicht.
Ob sich dieser Trend zum Standard etabliert bleibt also abzuwarten

Neues von der 5G-Front

Geräte

Qualcomm produziert bereits fleissig 5G-Chips, die auch schon verbaut werden. Die Snapdragon 855 Prozessoren in Kombination mit dem 5G-Modem X50 stossen auf reges Interesse der Hersteller: So sollen Sony, LG, HTC, Xiaomi, Asus, Nokia und weitere an Qualcomms Tür geklopft haben. Samsung und Apple werden wohl auf einen anderen Lieferanten setzen. Das frisch vorgestellte Samsung S10 dürfte zusätzlich noch in einer 5G-Version erscheinen. Huawei ist selbst 5G-Ausrüster und wird auf eigene Produkte zurückgreifen, erste Geräte sollen dieses Jahr erscheinen.

Infrastruktur

Ein 5G fähiges Handy bringt natürlich keinen Mehrwert, wenn es kein 5G-Netz gibt. Sunrise und Swisscom wollen 5G aber noch dieses Jahr an den Endkunden bringen. Zu Anfang wird sich der 5G Empfang wohl auf ausgewählte Orte und Ballungszentren beschränken. Swisscom will 60 Orte bis Ende Jahr mit dem neuen Netzstandard versorgen und betreibt aktuell mehrere Testnetze. Sunrise will gar bis Ende März, also bis in einem Monat, 150 Orte in der Schweiz mit 5G versorgen, wie ich doch etwas ungläubig/überrascht auf der firmeneigenen Webseite gelesen habe.

Benjamin Bischof

Content Manager

© 2019 STEG Electronics AG

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